Das Schlagwort ‘Öffentlichkeitsarbeit’ ist vielen Menschen bekannt – was die genaue Bedeutung angeht, sind sich viele jedoch unsicher. Öffentlichkeitsarbeit wird häufig mit Marketing, Branding oder Pressearbeit gleichgesetzt. Es gibt zwar Schnittmengen, aber es sind keine Synonyme:

  • Marketing kann sowohl die grundlegende Ausrichtung eines Unternehmens meinen; als auch die Vermarktung von Produkten oder Dienstleistungen.
  • Branding ist die Entwicklung einer Marke mit einem hohen Wiedererkennungswert.
  • Pressearbeit ist ein Teilbereich der Öffentlichkeitsarbeit, der Kontakt zur Presse.

Wenn du es genauer wissen willst, schau dir diesen Film über den Unterschied zwischen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit an:

Aber was genau ist denn nun Öffentlichkeitsarbeit?

Öffentlichkeitsarbeit ist die Kommunikation einer Organisation nach außen. Dabei werden Beziehungen zu Teilbereichen der Öffentlichkeit aufgebaut und gepflegt. Auch am englischen Begriff Public Relations lässt sich die Wichtigkeit der Beziehung ablesen.

Indem man Informationen nach Außen gibt und sich auf eine bestimmte Art und Weise darstellt, will man der Organisation einen guten Ruf geben und Ziele erreichen.

Wenn du jetzt an deinen Verein denkst, fallen dir sicher viele mögliche Ziele ein:

  • neue Mitglieder gewinnen
  • neue Spender oder Kooperationspartner gewinnen
  • Besucher zum Vereinsevent locken

Da Öffentlichkeitsarbeit langfristig angelegt ist, kannst du dadurch auch nachhaltige Ziele erreichen:

  • Name des Vereins in der Stadt/Region bekannt machen
  • fachliche Expertise zeigen
  • Öffentliches Bewusstsein für das Vereinsthema stärken

Klingt super, oder?

Leider wird das Thema Öffentlichkeitsarbeit in Vereinen oft stiefmütterlich behandelt. Das kann verschiedene Gründe haben:

  1. Keine Zeit
  2. Innere Haltung
  3. Keine Kenntnisse

 

Warum Vereine ihre Öffentlichkeitsarbeit vernachlässigen

Grund 1: Keine Zeit für Öffentlichkeitsarbeit

In den meisten Vereinen wird sich niemand über Langeweile beschweren es gibt immer etwas zu tun. Der eigentliche Vereinszweck hat dabei natürlich Vorrang: Ein Chor probt für den Auftritt, ein Tierschutzverein renoviert den Hundezwinger, eine Hochschulgruppe für Chancengerechtigkeit organisiert Nachhilfestunden für Schulkinder.

Administrative Tätigkeiten wie Buchhaltung oder “Sonderaufgaben” wie Öffentlichkeitsarbeit werden als lästige Störung wahrgenommen und nur knapp oder gar nicht erledigt.

Grund 2: Innere Haltung und Bescheidenheit

Vielen Menschen ist es unangenehm, lobend von sich selbst zu sprechen. Das gilt auch für die Leistungen ihres Vereins. Sie möchten nicht angeberisch oder arrogant wirken und tragen ihre Erfolge daher kaum in die Welt.

Fatal ist auch die Einstellung “Wenn wir etwas Gutes tun, wird sich das schon von selbst herumsprechen.”

Grund 3: Keine Kenntnisse über Methoden und Strategien

Manche Vereine haben das Glück, bestimmte Aufgaben aus dem Vereinsalltag mit Profis besetzen zu können: eine gelernte Buchhalterin übernimmt den Papierkram, ein Informatikstudent erstellt die Webseite. Super! Wenn jedoch niemand aus dem Verein PR-Erfahrung mitbringt, ist es nicht so einfach, eine eigene Strategie zu entwickeln. Man muss viel Zeit und Interesse mitbringen, um sich selber in ein Fachgebiet einzuarbeiten. Wenn man nicht gerade in einer Großstadt wohnt, sind Fortbildungen und Workshops rar. Bücher zu wälzen oder YouTube nach Tutorials abzusuchen kostet wiederum viel Zeit und da sind wir wieder bei Grund 1.

 

Nach unserem Motto “Tue Gutes und erzähl davon” möchten wir Vereine dazu ermutigen, mehr von ihren Aktionen und Erfolgen zu erzählen. Dafür vermitteln wir euch Grundwissen über Öffentlichkeitsarbeitsstrategien, geben euch Tipps aus der Praxis und eine Plattform für den Austausch.

Wie Öffentlichkeitsarbeit aussehen kann 

Sketchnote Öffentlichkeitsarbeit

Klicke auf die Sketchnote, um sie in voller Größe zu öffnen

Du kannst Öffentlichkeitsarbeit online betreiben (Social Media, Webseite) oder offline (Event, Flyer). Du kannst einen Blog, YouTube-Kanal oder Podcast starten; oder durch E-Mail- oder Print-Newsletter den direkten Kontakt herstellen. Du kannst (auch ohne Profi-Equipment) eigene Foto-, Video- oder Audioaufnahmen machen und diese für deine anderen Kanäle nutzen. Du kannst den Kontakt zur Presse aufbauen oder sogar Werbeanzeigen schalten. Und und und…

Vielleicht fühlst du dich jetzt eingeschüchtert. So viele Möglichkeiten!

Aber keine Sorge, du musst natürlich nicht alles machen! Wage dich Schritt für Schritt heran und finde Methoden, die zu dir und deinem Verein passen.

Hier sind drei Tipps, wie du eine Öffentlichkeitsarbeitsstrategie für deinen Verein entwickeln kannst:

1. Inventar: Überlege, was der Verein schon alles macht.

Hat dein Verein Social Media Kanäle? Einen E-Mail-Newsletter? Wie sieht die Homepage aus?  Wie viel Zeit investiert ihr in eure Kanäle? Wie viel bekommt ihr zurück?

Ziehe am besten Statistiken hinzu, zum Beispiel über Homepagebesucher, Social Media Follower oder Newsletter-Öffnungsraten.

Du wirst schnell sehen, welche Kanäle schon ‘laufen’ und wo noch tote Hose herrscht.

Dabei sollten nicht die reinen Zahlen eine Rolle spielen, sondern auch der Spaß an der Sache und der Zeitaufwand. Wenn du zwar wöchentlich ein Dutzend neuer Facebook-Fans gewinnst, dafür aber stundenlang an den Facebook-Posts feilt und es total ätzend findest, ist es vielleicht nicht die beste Strategie.

Überlege also: Was macht der Verein schon? Was sollte der Verein beibehalten und was verändern oder stoppen?

 

2. Zielsetzung: Was wollt ihr mit eurer Kommunikation erreichen?

Öffentlicheitsarbeit kann verschiedene Ziele haben. Ein allgemeines Statement wie “bekannter werden” ist jedoch nicht geeignet, um eine Strategie zu entwickeln.

Überlegt im Verein gemeinsam, was aktuell eure Probleme oder eure Wünsche sind und wie sich das in ein Ziel umwandeln lässt. Vielleicht habt ihr gerade einen Mangel an HelferInnen für ein Projekt und sucht neue Vereinsmitglieder.

Wenn du das Ziel kennst, kannst du daraus ableiten, welche Methoden der Öffentlichkeitsarbeit am geeignetsten sind. Um neue Leute kennen zu lernen, würde sich zum Beispiel ein Event wie ein Infostand oder ein Tag der offenen Tür anbieten. Dafür sollte dann auch aktuelles und ansprechendes Print-Infomaterial wie ein Flyer oder eine Broschüre vorhanden sein.

Du könntest also diese beiden Punkte angehen, bevor der Verein einen neuen Social Media Kanal eröffnet oder Blogartikel schreibt.

Überlege also: Welches Ziel hat der Verein aktuell und welche Methoden passen dazu?

3. Aufgabenverteilung: Wer macht was (gut)?


Kommunikation geht alle etwas an und kann nicht an eine Person ‘abgeschoben’ werden. Wenn der Verein seine Ziele und Methoden festgelegt hat, ist der nächste Schritt, die Aufgaben zu verteilen. Dabei gilt es zu schauen: Wer kann etwas gut? Wer hat schon Vorkenntnisse und Erfahrung, zum Beispiel durch den Job? Wer hat Zeit und Lust, sich in etwas einzuarbeiten und Neues zu lernen?
(Es ist übrigens total hilfreich, eine Sammlung über die Talente und Fähigkeiten aller Vereinsmitglieder zu führen – Stichwort Wissensmanagement)

Bevor ein wilder Aktionismus ausbricht, sollte jedoch ein Plan erstellt werden und eine Person bestimmt werden, die den Überblick und die Verantwortung behält. Vielleicht bist das du? Wenn ja, dann macht es Sinn, ein Treffen mit allen Interessierten zu organisieren und das Vorgehen zu besprechen und die konkreten Aufgaben zu verteilen. Lege Deadlines und Meilensteine fest und überprüfe nach ein paar Wochen, ob die neuen Kommunikationsmethoden Wirkung zeigen oder ob ihr eure Strategie verändern solltet.

Wir hoffen, du hast jetzt Lust bekommen, eure Kommunikation in die Hand zu nehmen! Wenn ja, schenken wir dir gerne ein Häppchen aus unserem Fundus: Wir haben für dich eine Liste mit 30 ganz konkreten Ideen zusammengestellt, die du in kurzer Zeit umsetzen kannst.

PDF “Öffentlichkeitsarbeit für Vereine: 30 konkrete Ideen”

Hier kannst du das PDF herunterladen. Wir bitten dich, es nur für nichtkommerzielle Zwecke einzusetzen.

Willst du mehr über Öffentlichkeitsarbeit für deinen Verein lernen? Dann schreib dich in unseren kostenlosen Onlinekurs zu diesem Thema ein! Willst du dich lieber spezialisieren? Dann schau dir die Kurse Pressearbeit und Social Media an!