Eine Website für euren Verein, eure NGO oder Initiative ist das digitale Fundament eurer Öffentlichkeitsarbeit und der erste Kanal der 5 Kanäle der digitalen Öffentlichkeitsarbeit. In dieser Podcastfolge und dem begleitenden Artikel zeigen wir euch Schritt für Schritt, wie ihr eure bestehende Website daraufhin überprüft, wie sie für verschiedene Besuchergruppen (z.B. bestehende Mitglieder, Interessierte und Kooperationspartner*innen) wirkt. Wir hoffen, dass ihr konkrete To-Dos zum Verbessern eurer Öffentlichkeitsarbeit mitnehmt. Beachtet auch diese verwandten Folgen:
- Die 5 Kanäle der digitalen Öffentlichkeitsarbeit (Masterclass)
- SEO für Vereine
- Der Weg zu euren Angeboten
Teil 1: Wie können Menschen auf eure Website?
„Ach, braucht man heutzutage noch ne Website? Wer geht denn überhaupt da drauf?!“ – diese Frage höre ich manchmal in Workshops, und die Antwort lautet: Ja, man braucht eine, und es gibt sogar viele verschiedene Wege, wie Menschen auf die Seite kommen:
Wir können drei Typen unterschieden:
- Die Insider: Mitglieder, aktive Unterstützer*innen oder Teilnehmende, die konkrete Infos suchen – Termine, Kontaktdaten oder Formulare.
- Die Neugierigen: Menschen, die über einen Flyer, Social-Media, PR, persönliche Empfehlungen oder Kooperationen schon von euch gehört haben und jetzt mehr wissen möchten.
- Die Suchenden: Leute, die euch noch gar nicht kennen, aber thematisch suchen – bei Google, über Empfehlungen oder sogar via KI-Tools wie ChatGPT & Co. (vgl. auch SEO)
Jede dieser Gruppen bringt unterschiedliche Erwartungen mit: Geduld, Detailtiefe, Vertrauen oder unmittelbar nutzbare Infos. Eine Website für Vereine sollte so aufgestellt sein, dass sie alle drei Rollen bedienen kann.
Besonders die dritte Gruppe ist anspruchsvoll: Wenn die Seite langsam lädt, Fehlermeldungen anzeigt oder unsicher wirkt, klicken sie im Zweifel sofort weiter. Technische Aktualität, Mobilfreundlichkeit und schnelle Ladezeiten sind das absolute Minimum!
Praxistipp: Daten statt Bauchgefühl
Verifiziert eure Website in der Google Search Console, um mehr Informationen über das Verhalten eurer Websitebesucher*innen zu erhalten.
- Die Search Console zeigt, mit welchen Suchbegriffen Nutzer:innen eure Website erreichen.
- Ihr seht technische Fehler, Indexierungsprobleme und welche Seiten wie oft in der Suche erscheinen.
- Im Gegensatz zu Google Analytics braucht ihr keinen zusätzlichen Tracking‑Code auf eurer Website zu installieren; die Daten stammen aus Googles eigenem Index.
Teil 2: Wer findet was auf eurer Website?
Eure Vereins-Website ist nicht nur eine digitale Visitenkarte– sie ist multifunktional und hat verschiedene Rollen. Versetzt euch in die Perspektive der verschiedenen Besucher*innen:
Stellt euch vor:
Beate hat in der Zeitung von eurem Verein gelesen und möchte jetzt einfach mal schauen, was ihr so alles macht und welche Angebote es gibt – sie informiert sich ganz unverbindlich auf eurer Website.
Alex vom Jugendzentrum sucht nach passenden Kooperationspartner-Organisationen und klickt sich deshalb durch eure Webseite, um herauszufinden, ob ihr von euren Zielen, Werten und Angeboten gut zusammenpasst.
Frau Schmidt von der Förderstiftung hat euren Antrag auf dem Tisch und geht jetzt online, um zu prüfen, wie professionell ihr aufgestellt seid, was ihr bisher erreicht habt und ob ihr für die Förderung in Frage kommt.
Oder Herr Müller hat sich schon entschieden, dass er Mitglied werden möchte und sucht jetzt auf eurer Website ganz konkret nach dem Mitgliedsantrag zum Herunterladen.
So könnt ihr euch die verschiedenen Besucher eurer Website und ihre unterschiedlichen Anliegen bildlich vorstellen – und gezielt überprüfen, ob wirklich alle die Infos finden, die sie suchen.
Praxistipp: Macht die Website‑Schnitzeljagd (ein kleiner Usability-Test)
So geht es: Nimm eine konkrete Aufgabe (z.B. „Ich will Mitglied werden – wie finde ich den Antrag und die Infos?“) und lasse am besten eine außenstehende Person testen, wie intuitiv die Website funktioniert. Beobachte, wo Denkfehler entstehen, welche Infos fehlen oder veraltet sind – und erstelle eine To-Do-Liste mit klarer Priorisierung.
Priorisiert eure Website-To‑Dos – was muss sofort repariert werden?
Nach der Schnitzeljagd erstellt ihr eine To‑Do‑Liste und priorisiert sie. Typische Kategorien:
- 🔴 Dringend (sofort reparieren): Download funktioniert nicht, Kontaktformular kaputt, Links führen ins Leere, SSL-Zertifikat abgelaufen.
- 🟠 Wichtig (bald): Mobiloptimierung, Ladezeit verbessern, veraltete Ansprechpartner ersetzen, wichtige Infos ergänzen.
- 🟡 Schön‑zu‑haben (mittelfristig): neue Fotos, modernere Gestaltung, zusätzlichen Content wie Erfahrungsberichte, Testimonials oder Interviews.
Ein Beispiel: Wenn der Mitgliedsantrag nicht erreichbar ist, verliert ihr Anmeldungen. Wenn Mitgliedergewinnung für euch gerade wichtig ist (und ganz ehrlich, welcher Verein wünscht sich nicht mehr Mitglieder?!), solltet ihr das schnellstmöglichst reparieren.
Teil 3: Welche Inhalte braucht eure Vereinswebsite noch?
Viele Websites haben die klassischen Visitenkarteninfos: Name, Adresse, E‑Mail, Telefonnummer, Logo. Das ist wichtig – reicht aber nicht, wenn ihr neue Mitglieder, Fördermittel oder Kooperationspartner:innen gewinnen wollt. Denn dafür helfen Inhalte, die tiefer gehen! Denkt dafür in Textsorten:
- Erfahrungsberichte: Authentische Stimmen von Mitgliedern oder Engagierten.
- FAQ: Antworten auf die häufigsten Fragen zu Angebot, Mitgliedschaft oder Engagement.
- Methodik / Arbeitsweise: Sind spannend für potenzielle Kooperationspartner oder Förderstellen.
- Jahresbericht / Zahlen & Fakten: Belegen Professionalität und Zuverlässigkeit für Stiftungen und Förderer.
Nicht jede Textsorte ist für jede Zielgruppe relevant. Eure Aufgabe ist, die wichtigsten Zielgruppen zu benennen und danach den Navigationsaufbau zu gestalten, damit jede Gruppe schnell findet, was sie braucht.
Praxistipp: Long Form Content für Zielgruppen planen
Überlegt euch, welche Zielgruppen und Ziele für euch gerade wichtig sind (ggf. sind es die gleichen, zu denen ihr auch die Website-Schnitzeljagd gemacht habt), und überlegt, was für Long Form Content für diese Zielgruppen wichtig und hilfreich wäre.
Die eigene Website ist nie wirklich „fertig“. Mit den drei Bereichen aus dieser Podcast-Folge bekommst du aber eine strukturierte Checkliste an die Hand: Technik, Nutzerfreundlichkeit und zielgruppenorientierte Inhalte. Die Website-Schnitzeljagd bringt frischen Input und macht die blinden Flecken sichtbar. Probier’s aus – dein Verein wird professioneller wahrgenommen und ihr erreicht die Menschen, die zu euch passen!
Viel Erfolg beim Prüfen und Verbessern eurer Website für Vereine!