Engagement in Krisenzeiten mit Janine Rehn von Vostel

 

Aktuell erleben wir eine Zeit voller Krisen. Viele von uns fühlen sich ohnmächtig und machtlos, etwas dagegen unternehmen zu können. Was können wir dafür tun, damit Menschen ihre eigene Selbstwirksamkeit wieder entdecken und negative Gedanken in positiven Gestaltungswillen umwandeln? Wie können wir uns in Krisenzeiten sinnvoll engagieren und gleichzeitig auf uns aufpassen? Um diese Fragen dreht sich unser heutiges Interview mit Janine Rehn von vostel.de. Außerdem sprechen wir darüber, was Vereine bei der Mitgliedergewinnung jetzt beachten sollten.

Inhalt

00:14 Intro
02:09 Vorstellung Janine
04:08 Was macht Vostel?
04:52 Wie viele Leute nutzen eure Seite?
05:29 Wie finden Vereine, Initiativen & Co. zu euch, die ein Angebot anbieten?
06:42 Warum Ehrenamt gerade in Krisenzeiten so wichtig ist
09:23 Wie erreicht man Menschen, die sich noch nie ehrenamtlich engagiert haben oder sich ohnmächtig fühlen?
10:48 Gibt es viele Engagierte, die eure Seite immer wieder nutzen?
11:49 Was für Wünsche und Ansprüche haben Ehrenamtliche heute?
13:28 Was sollten Vereine bei der Mitgliedergewinnung von jüngeren Ehrenamtlichen beachten?
16:26 Gibt es aktuell Bereiche, in denen ehrenamtliches Engagement besonders benötigt wird und hat das Einfluss auf eure Arbeit?
19:42 Was hat sich in den letzten Jahren bei Vostel verändert und gibt es aktuelle spannende Projekte?
23:02 Wie kann man sich als Verein bei Vostel registrieren?
24:51 Was wenn sich niemand auf ein Angebot meldet?
25:53 Was können Vereine generell für mehr Sichtbarkeit machen?
31:39 Die Engagement Academy von Vostel
33:00 Outro

Links zur Folge

Vostel.de
Folge 13: Kurz- und langfristiges Engagement mit Hanna von vostel.de
Gegen Ohnmacht hilft nur machen

Jubiläumsfolge im Oktober 2022

erzähl davon wird 5 Jahre alt! Deshalb möchten wir unsere langjährigen (und natürlich neuen) Hörer*innen einladen, mitzumachen! Beantwortet uns zwei Fragen unter diesem Link mit eurer Sprachnachricht und vielleicht seid ihr auch schon bald hier zu hören!

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Transkript:

00:00:14
Luisa von erzähl davon: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Podcastfolge von erzähl davon! Heute mal wieder mit mir, Luisa. Ich freue mich, dass wir heute wieder mal mit einem alten Bekannten sprechen und zwar, wenn wir weit in den Annalen des erzähl davon-Podcasts zurückgehen, genauer gesagt zur 13. Folge, dann stoßen wir auf Vostel . Das ist eine digitale Engagementplattform, die Menschen dabei hilft, ein passendes Ehrenamt zu finden. Und wir haben in der 13. Folge, als erzähl davon noch ganz grün hinter den Ohren war schon mal mit Hanna mit einer der beiden Gründerinnen von Vostel gesprochen. Und zwar ging es damals um das Thema, wie man ein kurz- oder langfristiges Engagement für sich finden kann. Hört da also gerne rein, wenn euch das Thema interessiert.

00:01:02
Luisa von erzähl davon: Heute geht es aber um ein anderes Thema, denn heute spreche ich mit Janine. Sie ist Social Media und Community Managerin bei Vostel und wir sprechen darüber, wie man sich in Krisenzeiten sinnvoll engagieren kann, aber auch, was eigentlich diese Engagementplattform Vostel genau macht, wie sie auch Vereine dabei unterstützt, sichtbarer zu werden und für sie passende Mitstreiterinnen und Mitstreiter zu finden. Außerdem wird Janine ein Einblick geben in ihre Arbeit und was für sie besonders schöne Momente sind in der Arbeit für eine soziale Organisation bzw. für ein soziales Unternehmen. Ich wünsche euch ganz viel Spaß bei der Folge und freue mich immer wieder über Feedback von euch und vielleicht auch Themenwünsche und damit los geht’s!

00:01:55
Luisa von erzähl davon: Dann begrüße ich dich ganz herzlich zu unserem Interview, Janine! Ich freue mich sehr, dass du heute da bist und dass wir über Vostel und über eure Arbeit sprechen und auch noch über viele andere Themen wahrscheinlich. Herzlich willkommen im erzähl davon-Podcast und stell dich doch gerne mal kurz vor.

00:02:11
Janine von Vostel: Erst mal auch ein Danke von mir. Wir haben uns sehr gefreut über die Einladung und das ist immer wieder eine kleine Ehre, in einem Podcast zu sprechen und auch über das Thema. Ich bin Janine und ich bin seit jetzt fast einem Jahr bei Vostel und ich bin im Team Marketing und Kommunikation und betreibe hauptsächlich oder pflege unsere Social Media Kanäle. Also ich bespiele unseren Instagram-Kanal Facebook-Kanal immer wieder LinkedIn. Und plane mit meinem Kollegen oder meinen Kolleginnen Kampagnen, Werbemittel, alles Mögliche.

00:02:46
Luisa von erzähl davon: Wie viele Leute seid ihr im Team?

00:02:48
Janine von Vostel: Es schwankt bei uns immer so ein bisschen, aber momentan sind wir elf.

00:02:50
Luisa von erzähl davon: Allein im Marketing-Team oder im gesamten Vostel-Team?

00:02:54
Janine von Vostel: Das wäre schön. Nein, im Marketing-Team sind wir drei Leute.

00:02:59
Luisa von erzähl davon: Cool. Seit wann bist du denn selber bei Vostel ?

00:03:04
Janine von Vostel: Also genau seit einem Jahr. Ich glaube, letzten September bin ich voll eingestiegen. Davor war ich noch als Werkstudentin bei Vostel ein paar Monate, weil ich vorher noch in meiner Bachelorarbeit gesteckt habe. So bin ich damals eingestiegen.

00:03:18
Luisa von erzähl davon: Ist denn soziales Engagement für dich schon länger ein Thema oder hast du dich, bevor du bei Vostel angefangen hast, auch sozial engagiert?

00:03:26
Janine von Vostel: Also an sich so ein wichtiges Thema, was für mich nicht. Es war immer so das Thema gut, ich möchte später irgendwie zumindest in meinem beruflichen Feld in die soziale Richtung gehen oder irgendwas mit Nachhaltigkeit machen, wie es eben so oft ist. Aber so mit dem Thema Ehrenamt und Engagement bin ich eigentlich erst richtig bei Vostel in Kontakt gekommen. Ich hatte jetzt nie ein Ehrenamt wie jetzt in einem Sportverein oder einem Musikverein oder Ähnliches. Ich habe, wenn dann eher im projektbasiert oder kurzfristig engagiert. Und da hatte ich auch vorher, also vor Vostel , ein paar Begegnungen und ein paar Sachen gemacht, aber jetzt nie mich auch wirklich mit dem Thema beschäftigt, so inhaltlich und genau, was damit alles zusammenhängt.

00:04:08
Luisa von erzähl davon: Kannst du vielleicht kurz Vostel vorstellen? Was macht ihr da eigentlich genau und was ist eure Arbeit?

00:04:15
Janine von Vostel: Also wir sind ein vostel.de. Wir haben eine digitale Engagementplattform. Das bedeutet, dass wir versuchen, Freiwillige mit sozialen Organisationen zu connecten, also zu verbinden. Das heißt, dass soziale Organisationen oder NPOs, also Non Profit Organisationen, ihre Gesuche, also wenn sie auf der Suche nach Freiwilligen sind oder auch nach Sachspenden auf vostel.de stellen können. Und genau dann melden sich Freiwillige und geben ihr Engagementangebot durch und kontaktieren dann die Organisation und finden dann so zum Beispiel ein Ehrenamt oder ein einmaliges Engagement.

00:04:51
Luisa von erzähl davon: Könnt ihr tracken, wie viele Leute bei euch sich nach einem Ehrenamt umgucken, also wie viele Leute tatsächlich eure Plattform auch so benutzen?

00:05:00
Janine von Vostel: Also wir können auf jeden Fall tracken, wie viele Engagierte bei uns registriert sind und das sind inzwischen fast 25.000.

00:05:07
Luisa von erzähl davon: Wow.

00:05:07
Janine von Vostel: Ja, das ist auf jeden Fall eine tolle Zahl und die freut uns auch sehr. Und natürlich kann man auch so was gucken, wie viel die Webseite genutzt wird und Ähnliches, aber die Zahlen habe ich jetzt leider nicht.

00:05:17
Luisa von erzähl davon: Ja klar, aber das ist schon mal eine stattliche Zahl und das ist ja sehr erfreulich.

00:05:22
Janine von Vostel: Ja, auf jeden Fall. Sieht man auch immer ganz deutlich bei uns auf der Homepage und es ist immer schön zu sehen, dass sie immer weiter wächst.

00:05:28
Luisa von erzähl davon: Und wie finden Leute zu euch, die ein Angebot anbieten? Also ich könnte mir vorstellen, dass wahrscheinlich das Zugehen auf Vereine für euch auch ein großes Thema ist. Also zu gucken, wo in den Städten, in denen Vostel aktiv ist, gibt es vielleicht auch dann neue Initiativen, neue Vereine und dann nehmt ihr von euch aus den Kontakt auf oder wie läuft das normalerweise ab?

00:05:50
Janine von Vostel: Also so ein bisschen beides. Also wir machen immer wieder größere Akquise bzw. unser Partner- und Freiwilligen-Management-Team, die sich dann wirklich sagt an verschiedene Standorte zum Beispiel setzen, wenn wir in eine neue Stadt quasi uns etablieren wollen, dass sie dann superviele Organisationen kontaktieren, mit denen Erstgespräche führen, E-Mails schreiben und dann eben auf unser Angebot aufmerksam machen möchten. Und genau darüber kommen superviele Organisationen. Manchmal ist es natürlich aber auch einfach Mund zu Mund werden wir weiterempfohlen oder Freiwillige, die sich mal engagiert haben und dann in die nächste Orga kommen, dass sie dann auch wieder Vostel empfehlen. Also so ein bisschen beides, aber wirklich sehr viel wird auch von unserem Team akquiriert und angeschrieben und da steckt auch auf jeden Fall sehr viel Arbeit dahinter.

00:06:40
Luisa von erzähl davon: Das kann ich mir vorstellen. Vielleicht steigen wir direkt mal ins Thema ein. Und zwar wir hatten ja, wie ich am Anfang schon gesagt habe, mit euch schon mal gesprochen und das war eine unserer ersten Podcastfolgen – die 13. – und da ging es damals so um den Fokus lang- versus kurzfristiges Engagement. Jetzt, heute haben wir uns ein anderes Thema ausgesucht. Und zwar fanden wir es eben spannend, mit euch zu sprechen, auch in Fokus auf Engagement oder Ehrenamt in Krisenzeiten. Und wir stecken ja im Moment mitten in einer Zeit voller Krisen. Wenn man die Nachrichten guckt, dann hat man jeden Tag wieder das Gefühl, das Herz rutscht einem in die Hose und es passiert einfach ganz vieles auf der Welt gerade, was viele Menschen verunsichert und was auch dazu führt, dass sich viele Menschen ohnmächtig fühlen und vielleicht auch eher so in sich zurückziehen, was ja keine besonders positive Entwicklung ist. Wenn man sich die Nachrichten anguckt, dann hat man oft das Gefühl, das wird so ein düsteres Bild unserer Zukunft gezeichnet und man ist vielleicht eher frustriert. Was würdest du denn sagen, warum es gerade jetzt wichtig ist, sich ehrenamtlich zu engagieren?

00:07:50
Janine von Vostel: Genau zu dem Thema haben wir vor ein paar Wochen ein Posting gemacht mit dem Claim „Gegen Ohnmacht hilft nur machen“, wo es eben auch darum ging, dass sich diese ganze mediale „Beballerung“- man ist ja einfach sehr viel unterwegs auf Social Media, wo man sehr viele Neuigkeiten, Nachrichten mitbekommt oder auch auf den Nachrichtenseiten kriegt man superviele Schlagzeilen zu lesen. Man wartet ja gefühlt nur noch darauf, welches ist jetzt die nächste Krise und was passiert als Nächstes? Und man sitzt in seinem Zimmer oder im Büro und denkt sich, es ist einfach alles ganz schrecklich. Und aus diesem Gefühl wird einfach so eine Frustration und wie du meintest, auch so eine Ohnmacht. Und wir stellen einfach immer wieder fest, dass das Beste ist, um da irgendwie rauszukommen und wieder den Bezug zur Realität zu bekommen ist einfach ins Machen zu gehen und zu handeln und zu tun. Und das kann Engagement sein und das kann, das kann das kleine Engagement sein, das eben in deinem Wirkungsbereich und in deinem Handlungsbereich steckt. Ja, das einfach mal wieder zu spüren, dass auch die kleinen Gesten und die kleinen Dinge zählen und was verändern. Natürlich kannst du nicht die ganze Welt verändern, aber du kannst eben dich in einem Obdachlosenheim oder in einer Notunterkunft engagieren und dadurch einfach einzelnen Personen zumindest an einem Abend irgendwie die unterstützen oder was Gutes tun und das zu sehen und das zu spüren. Und das hilft einem einfach raus aus dieser Ohnmacht und auch diese Kleinigkeiten, die eben auch eine Gesellschaft zusammenhalten und auch in den Kontakt zu kommen mit unterschiedlichen Menschen und deren Geschichten zu hören. Ich glaube, das ist ganz wichtig, auch in solchen Zeiten.

00:09:22
Luisa von erzähl davon: Wie kann man denn Menschen erreichen, die sich noch nie engagiert haben oder die vielleicht das einfach nicht wissen, die sich ohnmächtig fühlen, die viel auf Social Media unterwegs sind, die vielleicht so ein bisschen die Einstellung haben, das bringt doch alles nichts, was soll ich denn kleine Person jetzt irgendwie schon ändern können? Habt ihr da Erfahrungswerte oder auch Strategien, von denen du berichten kannst?

00:09:46
Janine von Vostel: Das ist ein sehr spannendes Thema, mit dem wir uns auch sehr viel auseinandersetzen, natürlich gerade auch in unserer Kommunikation, weil das ja auch ein Ziel ist mit unserer Kommunikation, dass wir eben neue Menschen erreichen möchten, die bisher noch nicht mit dem Thema etwas zu tun haben. Und wir versuchen da immer, möglichst niedrigschwellig ranzugehen und zu sagen Engagement ist nicht ein Ehrenamt, wo du dich sofort verpflichten musst. Oder Engagement bedeutet auch nicht, dass du dich hinstellst und auf einmal alles veränderst, das ist einfach nicht möglich, sondern das sind die kleinen Dinge. Und das kann man auch erst mal in seinen Alltag integrieren, man kann sich mit Themen beschäftigen und so langsam irgendwie reinfinden oder sich miteinander austauschen. Wir versuchen einfach auch in unserer Kommunikation nach außen immer zu zeigen, du kannst klein anfangen, mal bei einem kleinen Cleanup dabei sein und dich auch mit Freunden austauschen oder mal gucken, wollen wir vielleicht mal was zusammen machen und dann einfach so versuchen, an die Leute ranzukommen und den zu zeigen, einfach mal ausprobieren und was machen und wegzukommen von diesem ewigen Scrollen und es wird nur noch schlimmer, es wird noch schlimmer.

00:10:47
Luisa von erzähl davon: Gibt es dann viele quasi Wiederholungstäter, die dann euch entdecken und die dann vielleicht auch was tatsächlich Kurzfristiges machen oder eine einmalige Aktion und immer wieder auf eure Seite kommen?

00:10:59
Janine von Vostel: Auf jeden Fall. Gerade ganz am Anfang, als der Ukrainekrieg gestartet ist, haben wir auch sehr viele Projekte dafür akquiriert oder es sind auch immer noch viele ukrainische Projekte auf unserer Seite und da sehen wir auch einfach, dass sich viele Menschen immer wieder und wieder engagieren, zum Beispiel jetzt am Berliner Hauptbahnhof Mahlzeiten ausgeben. Und das ist oft auch so, du kommst dann vielleicht mit anderen Freiwilligen in Kontakt und verstehst dich gut und dann motiviert dich das natürlich auch noch zusätzlich zu sagen, ich komme wieder oder du hast andere positive Erlebnisse. Oder du siehst einfach gut, das, was ich jetzt mache, das bringt wirklich was oder es hat verändert ein bisschen was. Und ja, da kommt auf jeden Fall Leute immer wieder oder auch Menschen, die mit einem einmaligen Projektengagement gestartet sind und dann wirklich in ein festes Ehrenamt gefunden haben. Also viele probieren sich natürlich auch aus, machen Verschiedenes.

00:11:49
Luisa von erzähl davon: Was würdest du denn sagen, was wünschen sich Menschen heute, die sich ehrenamtlich engagieren? Was haben Menschen für Ansprüche? Vielleicht auch jüngere Menschen, ich weiß ja nicht, wie alt eure Zielgruppe ist, vielleicht kannst du dazu auch gleich noch was sagen. Und genau welche Ansprüche haben sie und welche Rahmenbedingungen möchten sie vielleicht auch vorfinden, wenn sie sich irgendwo engagieren?

00:12:11
Janine von Vostel: Also wir sagen immer so, dass unsere jüngste Freiwillige 18 Jahre alt ist und die älteste 65, also wir haben eine relativ breite Zielgruppe, aber es sind schon auch viele junge Menschen dadurch, dass es halt auch eine digitale Plattform ist. Ich glaube, ganz wichtig ist einfach die Wertschätzung für ihre Arbeit, die sie auch von der Orga widergespiegelt bekommen möchten. Neben der Wertschätzung, die Freiwillige auch widergespiegelt bekommen möchten, ist natürlich auch eine gewisse Flexibilität inzwischen glaube ich wichtiger, vor allem für junge Menschen. Also eben diese Möglichkeit, vielleicht erst mal in ein Engagement zu schnuppern und sich nicht direkt festlegen zu müssen und zu sagen, ich übernehme jetzt dieses Ehrenamt. Viele Organisationen bieten inzwischen wie so eine Art Kennenlernentage oder -abende an, wo man dann auch erst mal mit anderen Freiwilligen in Kontakt kommt. Und ich glaube, so was ist sehr wichtig. Auch dieses Gefühl, ich bin als Teil von der Gruppe, mit der ich mich irgendwie identifizieren kann und in der ich mich auch wohlfühle. Und so was raten wir auch Organisationen öfters, dass sie mal so was organisieren oder so was wie ein Sommerfest, wo eben auch viel passiert, es sind viele Menschen unterwegs, da sind viele Freiwillige dabei und das oft einfacher, dann gerade für junge Menschen, sich da rein zu finden.

00:13:28
Luisa von erzähl davon: Was kann man vielleicht davon ableiten für Vereine? Also viele Vereine haben ja die Herausforderung, dass sie vielleicht ihre Mitglieder oder Mitengagierte älter werden und dass es vielleicht schwieriger ist, so einen jüngeren Nachbau oder Nachwuchs zu organisieren. Was müssen denn Vereine beachten? Also was müssen sie quasi, wenn sie auf der Suche sind nach neuen Mitgliedern, was sollten sie da beachten aus deiner oder eurer Perspektive?

00:14:09
Janine von Vostel: Also was wir glauben, was relativ wichtig ist, es ist zu sehen, dass junge Menschen, die jetzt in Vereine kommen, oft Probleme haben mit diesen sehr starken Strukturen, manchmal auch sehr noch hierarchischen Strukturen, in denen sie das Gefühl haben, sie müssen da jetzt reinpassen und sie müssen sich da irgendwie einfügen, obwohl das gar nicht ihre Arbeitsweise ist beispielsweise, oder ob sie sich eine andere Arbeit vorstellen und dass da irgendwie auch eine gewisse Flexibilität von den Organisationen kommen. Natürlich muss auch von den Freiwilligen Verständnis dafür da sein und das ist, glaube ich, immer wieder so ein kleines Austarieren. Und natürlich das Thema Digitalisierung, was ja auch uns sehr wichtig ist und wozu wir Organisation auch immer anregen. Was natürlich dann allein dadurch hilft, wenn sie auch auf Vostel sind und so versuchen, Freiwillige zu finden, aber auch zum Beispiel digitales Engagement anzubieten, das eben ortsunabhängig passieren kann, wodurch Organisationen eben auch Freiwillige eher mit Freiwilligen arbeiten können, die eben nicht bei ihnen vor Ort sind. Das kann ja zum Beispiel Social Media Hilfe sein oder eine Webseite umgestalten oder neue Dokumente gestalten oder Ähnliches. Genau das ist so, was einfach mitgedacht wird und auch so was in Betracht gezogen wird von sozialen Organisationen.

00:15:25
Luisa von erzähl davon: Also einmal hattest du ja vorhin die Wertschätzung genannt, dann diese flachen Hierarchien, dass Leute auch vielleicht ganz gezielt einen Ort finden, der sich von den privaten Raum unterscheidet, aber auch von dem beruflichen, in dem es ja immer sehr zielorientiert und manchmal auch strikt zugehen kann, ich höre da so ein bisschen raus, dass es vielleicht auch so ein Zwischenort sein kann, wo man eben mit Leuten zusammenkommt, mit denen man die Werte teilt, wo man sich wohl und aufgehoben fühlt, aber trotzdem vielleicht auch Aufgaben übernehmen kann, die einen weiterbringen oder sich in gewissen Bereichen auch ausprobieren kann.

00:15:59
Janine von Vostel: Genau, ich glaube auch, dass dieses Gefühl zu haben, auch das, was ich jetzt hier tue, ist wirklich sinnvoll und bringt jemand an anderen weiter oder bringt etwas weiter, hat irgendeine Wirkung oder irgendeinen Einfluss. Ich glaube, das ist auch wichtig, gerade auch für viele junge Menschen, einfach den direkten – wir sprechen nicht so gerne von Impact – aber die direkte …

00:16:19
Luisa von erzähl davon: Auswirkung?

00:16:21
Janine von Vostel: Ja, die direkte Auswirkung zu sehen und zu spüren.

00:16:25
Luisa von erzähl davon: Gibt es vielleicht einen Bereich, ein thematischen, einen politischen, einen sozialen, wo ihr gerade aktuell den größten Bedarf sieht im Engagement? Also du hattest jetzt vorher natürlich die Ukrainekrise oder Hilfsangebote für Menschen aus der Ukraine angesprochen. Also gibt es quasi aktuell für euch oder spielt das auch eine Rolle in eurer Arbeit, dass ihr da selektiert und sagt, wir gucken bewusst auf unserer Seite, was für Angebote wir einstellen und steuern damit vielleicht auch so ein bisschen, wo gerade aktuell die größten Bedarfe sind?

00:16:57
Janine von Vostel: Also wir machen das immer so ein bisschen im Mikromanagement, dass wir jede Woche die sogenannten Urgent Calls haben. Das heißt, es sind immer Projekte, die einfach jetzt sehr aktuell sind oder die zum Beispiel sehr bald stattfinden und wo noch Freiwillige gesucht werden. Und die sind dann eben ganz oben zu sehen, auf unserer Webseite, auf der Plattform. Aber wir versuchen eigentlich immer zu sagen, dass es nicht unbedingt jetzt einen wichtigeren oder weniger wichtigen Bereich gibt, weil einfach jede Zielgruppe und jedes Engagement hat natürlich seine Wichtigkeit und zielt ja letztendlich darauf hin, dass es zu einer gerechteren und nachhaltigeren Welt beiträgt und das wollen wir eigentlich auch so vermitteln. Natürlich gibt es trotzdem auch saisonale Themen, die irgendwie immer relevant sind. Jetzt im Winter ist es die Kälte beispielsweise, im Sommer ist es Natur- und Umweltschutz und Ähnliches, das ist natürlich auch immer saisonal bedingt, aber auch immer medial und politisch abhängig, was eben gerade viel in den Medien ist. Und natürlich jetzt grad zu Beginn der Ukrainekrise, haben wir auch viele kommunikative Mittel darauf gewandt, dass wir versucht haben, das eben zu pushen, da möglichst viel Information zu spreaden, einfach auch, weil es viel Nachfrage gab, weil viele Menschen auf einmal helfen, unterstützen wollten. Und dann ist das natürlich auch unsere Aufgabe, da möglichst gut zu vermitteln und zum einen die sozialen Organisationen aufzufangen und deren Bedarfe und zum anderen auch die Freiwilligen und das dann irgendwie zu matschen. Deswegen versuchen wir, möglichst schnell und möglichst gut auf Krisen zu reagieren und in unserer Kommunikation wie jetzt auf Social Media heben wir manchmal Themen hervor, die gerade aktuell oder präsent sind. Aber es ist schon wichtig zu sagen, dass wirklich jedes Thema seine Berechtigung hat und wichtig ist.

00:18:42
Luisa von erzähl davon: Was ist denn für dich in deiner täglichen Arbeit so das Besondere also an der Auseinandersetzung mit den Themen oder allgemein an der Arbeit, an so einem Thema?

00:18:53
Janine von Vostel: Ich glaube, was für mich auch am Anfang gerade Spannendste war, war zu sehen, wie vielfältig wirklich Engagement sein kann und wie viele verschiedene Bereiche es gibt und wie viele verschiedene Ansatzpunkte und Möglichkeiten es gibt, sich zu engagieren, aber auch an sozialen Organisationen und NPOs und allem. Das finde ich auch bis jetzt noch superspannend. Auch wirklich auch zu sehen, manchmal ist das Thema wichtiger- also was heißt wichtiger? Aber manchmal ist das präsenter und manchmal das. Und auch die Möglichkeit zu haben, da immer rein zu schauen und auch immer wieder verschiedene Engagements mal auszuprobieren und dabei zu sein und mich dann auch inhaltlich, gerade weil ich auch im Kommunikationsbereich bin, damit auseinanderzusetzen und das so aufzuarbeiten, dass es irgendwie auch für außenstehende Menschen interessant ist und Einblicke zu gewähren. Das ist sehr spannend.

00:19:42
Luisa von erzähl davon: Was mich jetzt noch interessieren würde ist, kannst du so ein bisschen berichten von eurer Arbeit? Also wir haben uns ja zuletzt, glaube ich, 2018 mit Hanna, einer der Gründerinnen von Vostel gesprochen. Wie würdest du sagen, hat sich seitdem die Arbeit verändert? Welche Bereiche sind vielleicht dazugekommen bei euch? Oder vielleicht möchtest du einfach ein Einblick in aktuelle Projekte geben? Einfach so ein bisschen vorstellen, was ihr gerade noch macht?

00:20:12
Janine von Vostel: Sehr gerne. Ich habe tatsächlich auch gestern Abend noch den Podcast angehört.

00:20:16
Luisa von erzähl davon: Ah, super.

00:20:18
Janine von Vostel: Das war ganz lustig zu hören, weil hat Hanna noch gemeint, „Wir sind jetzt in Berlin und in München“ und da dachte ich, wow, es hat sich so viel getan, weil wir sind inzwischen in so vielen Städten in Deutschland und auch in vielen kleinen Städten. Also man kann eigentlich kaum mehr sagen, dass wir jetzt feste Standorte haben, sondern dass wir echt an vielen Orten Projekte haben. Und es war sehr schön zu sehen, dass es einfach so viel passiert ist seit der Zeit und auch ja, inzwischen sind das über 1000 Non Profit Organisationen, die bei uns registriert sind und da kommen einfach täglich oder fast täglich neue dazu. Das ist auf jeden Fall immer sehr schön zu sehen und ich glaube, was sich so groß getan hat, war gerade am Corona natürlich das Thema digitales Engagement. Bisschen weniger aktuell, aber das ist immer noch wichtig und versuchen wir immer noch auch an soziale Organisation heranzutragen. Und da hat sich auch im Bereich der Organisation viel getan, die jetzt eben ein viel größeres digitales Angebot haben und eingesehen haben, wie wichtig das auch ist. Und wie ich vorhin auch schon meinte, wie gut es ist, dass man Freiwillige auch von außerhalb ihrer Stadt oder des Dorfes erreichen kann und die mithelfen können.

00:21:28
Janine von Vostel: Wir arbeiten gerade an einen kleinen Relaunch unserer Website, unserer Plattform. Das ist auf jeden Fall superspannend und sie wird dann hoffentlich noch benutzerfreundlicher und intuitiver und auf jeden Fall auch schöner. Und das Thema Krisenmanagement begleitet uns auf jeden Fall auch. Da sind wir immer wieder am Planen, wie gehen wir in Zukunft damit um? Wie können wir in Zukunft noch besser darauf reagieren? Wir im Team, also wir bei Vostel aber auch, wie können wir Organisationen noch besser darauf vorbereiten, dass sie unsere Plattform nutzen, um wirklich auch schnell Freiwillige zu finden? Und genau ob wir da jetzt in Form von Workshops wieder mit den Organisationen zusammenarbeiten oder wie das genau aussehen wird, das ist noch am sich Entwickeln. Aber das ist einfach ein wichtiges Thema, weil wir glauben, dass es auch einfach öfters leider dazu kommen wird, dass wahrscheinlich sehr viele Krisen passieren, in welcher Art und Weise und wir einfach gesehen haben, dass es immer wieder ein Mismatch ist am Anfang, dass es sehr viele Freiwillige gibt, die unterstützen möchten, aber dass die Orgas natürlich erst mal ihre Strukturen aufbauen müssen und schauen, wie organisieren sie sich und dann zu koordinieren und alles. Und da möchten wir einfach in Zukunft noch besser unterstützen können. Und genau deswegen ist das auf jeden Fall auch ein großes Thema. Im Team haben wir uns auch vergrößert. Ich glaube, damals gab es noch nicht mal mehr ein Marketing-Team so richtig und das sind ja inzwischen drei Leute und eigentlich hat sich einfach jedes Team vergrößert und das ist schön.

00:22:58
Luisa von erzähl davon: Sehr gute Entwicklung.

00:23:00
Janine von Vostel: Auf jeden Fall.

00:23:01
Luisa von erzähl davon: Wie kann man dann jetzt als Verein sich bei euch anmelden? Also was muss man mitbringen, was muss man wissen oder beachten, wenn man bei euch Angebote einstellen will? Vielleicht kannst du kurz auch so ein bisschen den Prozess schildern für alle, die jetzt zuhören und vielleicht Interesse haben.

00:23:18
Janine von Vostel: Eigentlich muss man nur mitbringen, dass man eine relativ konkrete Vorstellung davon hat, was man anbieten möchte den Freiwilligen. Also okay, ich fange erst mal wahrscheinlich vorne am Prozess an, also man kann sich als NPO einfach registrieren, dann legt man sich ein Profil bei uns an und kann dann auch quasi NPO-Mitarbeitende freischalten, die dann auch Zugriff darauf haben und Engagementgebote einstellen können. Und dann ist es eigentlich ein Logo hinzufügen, eine kleine Beschreibung zur Organisation, ein Link zu einer Website und dann kann man eigentlich auch schon loslegen. Genau dann stellt man seine Angebote hoch. Wie gesagt, es ist wichtig, relativ konkret zu sein, damit es für die Freiwilligen attraktiv ist. Also zu sagen, wir versuchen Unterstützung in der Erarbeitung von Flyern für Werbematerialien für unsere Organisation oder Ähnliches und das dann möglichst gut beschreiben. Dann kann man Einsatztermine einstellen, also sagen, wir brauchen das immer mittwochs um 18:00 Uhr, das ist ein einmaliges Engagement. Man kann auch einfach angeben, dass die Freiwilligen in Kontakt treten sollen mit den Organisationen, dann geht es ganz über Nachrichten und wird alles individuell ausgemacht. Genau und wichtig zu wissen ist auch, dass unsere Partner-Freiwilligen-Management auch sich wirklich regelmäßig alle Engagementangebote anschaut und schaut gut, passt es alles, gibt es noch Verbesserungsmöglichkeiten und sich da auch immer individuell an alle Organisation wendet, um da zu gucken, dass auch wirklich die meisten Freiwilligen angesprochen werden.

00:24:51
Luisa von erzähl davon: Was passiert jetzt mit Angeboten, worauf sich niemand meldet? Habt ihr den Fall manchmal, dass die Vereine oder die Organisationen, die NPO sich bei euch melden und sagen, wir haben jetzt schon länger dieses Angebot eingestellt und es passiert nichts? Könnt ihr da unterstützen oder wie reagiert ihr in so einem Fall?

00:25:09
Janine von Vostel: Das gibt es leider auch. Es gibt einfach manchmal Angebote, die sind nicht so attraktiv, weil die sind an Standorten, an denen wir noch nicht so viele Freiwillige haben. Und was wir dann versuchen, ist erstens mit diesen Urgent Calls beispielsweise, dass sie einfach präsenter sind auf der Plattform. Dann versuchen wir natürlich nochmals Tipps zu geben, vielleicht müssen wir die Bilder noch mal austauschen, es ist immer schön, wenn man Menschen auf Bildern sieht, beispielsweise, dass sie eine gute Qualität haben, das Wording vielleicht noch mal anpassen. Manchmal geben wir auch keine Social Media Pushs oder wir packen einzelne Engagementgebote in den Newsletter, das ist immer so ein bisschen abhängig. Also da versuchen wir dann einfach so kleine Pushs zu geben oder eben das Angebot noch mal anzupassen.

00:25:53
Luisa von erzähl davon: Hast du vielleicht jetzt zum Ende hin noch einen Tipp für Vereine, was sie generell für mehr Sichtbarkeit machen können? Du bist ja im Marketing-Team tätig, du beschäftigst dich wahrscheinlich viel mit den Themen und das spielt für euch auch eine große Rolle, so grundsätzlich. Was würdest du Vereinen raten, was sie auf jeden Fall beachten sollten? Also kein Anspruch auf Vollständigkeit, vielleicht einfach nur so als kleinen Tipp; als kleines Goodie?

00:26:22
Janine von Vostel: Ich glaube, es gibt ja superviele Herangehensweisen. Also manche, die vielleicht eine ältere Zielgruppe haben, für die es nicht relevant, aber vor allem wenn man junge Leute anspricht, ist es, glaube ich, sehr, sehr wichtig, auch auf Social Media irgendwie vertreten zu sein und dann den Kanal für sich rauszusuchen, der am meisten zur Zielgruppe passt. Und dann einfach qualitativ ansprechenden Content zu gestalten, persönlichen Einblick zu geben, entweder von Freiwilligen oder von der Organisation an sich und da möglichst viel zu berichten und zu zeigen, das machen wir, das sind wir aber auch, also wirklich auch Gesichter zu zeigen. Und da vielleicht auch ein bisschen Ressourcen reinstecken und versuchen, sich da eine kleine Community aufzubauen und das ist auf jeden Fall gerade für junge Menschen wichtig, auch einfachauffindbar zu sein, wenn man jetzt gesucht wird, zum Beispiel auf Instagram.

00:27:16
Luisa von erzähl davon: Das sagen wir eigentlich auch immer in unseren Workshops, dass wir das Thema Sichtbarkeit oder auch Leute positiv ansprechen, sehr davon abhängt, wie persönlich man sich gibt, dass man auch hinter die Kulissen blicken lässt und zeigt, welche Personen sind denn da eigentlich bei uns. Weil den Eindruck haben wir auch, dass es für viele Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren wollen, natürlich einerseits viel um den Impact geht – das Wort, was ihr nicht so gerne mögt – was man quasi erreichen kann, wo man wirklich auch dann Resultate sieht, aber natürlich auch einen Ort, wo man das Gefühl hat, man hat mit Gleichgesinnten zu tun und kämpft quasi für dieselbe Sache.

00:27:56
Janine von Vostel: Genau, für viele ist es erst mal wichtig, um den Einstieg zu schaffen, mit diesen Menschen zusammen zu arbeiten oder in diesem Umfeld. Und dann ist es natürlich eine logische Konsequenz, dass da ja nicht nur die gleichen Menschen sind wie du meistens. In so einem Verein sind ja auch unterschiedliche Zielgruppen, das sind mal ältere Menschen oder Jünger. Und das ist auch das Wertvolle bei dem Engagement, dass man selber in Kontakt kommt mit verschiedenen Ansichten und Menschen und Gruppen. Aber ich glaube, es ist trotzdem erst mal wichtig, auch so von außen vielleicht abschätzen zu können, fühle ich mich da wohl, macht das einen guten Eindruck und da ist auf jeden Fall auch das Persönliche und der persönliche Content wichtig.

00:28:33
Luisa von erzähl davon: Vielleicht jetzt, bevor du am Ende auch gerne noch Dinge loswerden kannst, das werde ich dich gleich noch mal fragen. Aber vielleicht von meiner Seite aus jetzt mal die letzte Frage, welche Begegnung, welche Situation oder welches Erlebnis hat dich in letzter Zeit bewegt oder hat dir vielleicht auch so ein bisschen gezeigt, was Ehrenamt, was soziales, politisches, gesellschaftliches, ökologisches Engagement bewirken kann? Das würde mich interessieren.

00:29:02
Janine von Vostel: All die verschiedenen Engagements, das sind eigentlich verschiedene. Also vor ein paar Wochen war ich mal mit ein paar Kolleg*innen bei einem Clean Up auf dem Landwehrkanal. Da sind wir mit den Kajaks da lang gepaddelt und haben eben Müll gesammelt und es war an sich eine superspaßige Sache und es war schön und hat auf jeden Fall auch gezeigt, es ist superviel Müll, einfach überall. Aber was mich mehr bewegt hat und was mir mehr im Gedächtnis geblieben ist, ist wirklich, wie viele Menschen uns angesprochen haben und gefragt haben, zum einen, was macht ihr da, welche Organisation ist das? Und sich dann aber auch dafür bedankt haben, dass wir hier gerade mehr oder weniger aufräumen und wie toll das doch ist. Und dann habe ich erst gemerkt, diese Außenwirkung, dieses Thema der Sichtbarkeit und Awareness schaffen und Aufmerksamkeit schaffen, ist so wichtig. Das ist vielleicht fast noch das Wichtigere, das hier bei dem Thema und da wurde es mir irgendwie noch mal bewusster und das fand ich auch so wichtig und dann auch zu sehen, die anderen Menschen nehmen das wahr und die nehmen das positiv wahr und vielleicht einfach nur mal wieder lang gepaddelt sind, haben wir ein oder zwei Menschen dazu gebracht, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen oder vielleicht auch in Zukunft mal selber zu engagieren. Und das war auf jeden Fall ein sehr schöner Moment und hat sich sehr, sehr wirksam angefühlt, auch wenn ich nur in einem Paddelboot saß und eine sehr gute Zeit hatte. Da ist ja das Ideal, wenn man sich engagiert und dann auch noch selber eine sehr schöne Zeit hat. Ich habe mich letztes Jahr gerade im Winter immer wieder in der Kältehilfe engagiert, in Berlin, in der Notunterkunft und habe da in der Küche mitgeholfen und einfach der Kontakt mit den Menschen da. Das fand ich auch immer wieder sehr beeindruckend, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, aber auch zu sehen, welche Menschengruppen da so hinkommen und sich eben jetzt gerade mal kein Abendessen leisten können oder kein Dach über dem Kopf haben. Ich glaube, gerade dieses in Berührung kommen mit Menschen, das finde ich immer wieder sehr bewegend.

00:30:59
Luisa von erzähl davon: Ja, und dadurch lernt man ja für sich persönlich wahrscheinlich auch sehr, sehr viel und bekommt noch mal einen Eindruck von ganz anderen Lebenssituationen, als man sie vielleicht selber bisher erlebt hat.

00:31:10
Janine von Vostel: Auf jeden Fall, total.

00:31:11
Luisa von erzähl davon: Vielen Dank, Janine , da kam jetzt auf jeden Fall sehr viel von eurer guten Energie bei Vostel rüber durch das digitale Gespräch hier. Und das waren auch sehr schöne Situationen, die du gerade am Ende geschildert hast. Vielen Dank dafür! Und möchtest du gerne noch was an die Hörer*innen an der Stelle loswerden? Möchtest du gerne noch was erzählen, was vielleicht noch nicht zur Sprache kam über eure Arbeit? Dann ist jetzt die Gelegenheit.

00:31:39
Janine von Vostel: Eine Sache, die mir grade noch einfällt. Wir veranstalten immer wieder gerade für Menschen, die vielleicht noch nicht so viel Kontakt hatten mit Engagement und Ehrenamt, die Engagement Academy. Und da wird jetzt die dritte Edition stattfinden, Ende November. Da geht es einfach darum, dass man an einem Abend in 4 bis 5 verschiedene Engagementbereiche reinschnuppern und da kleine Engagements von zu Hause aus durchführt und das immer in digitalen Teams, das sind meistens so Teams von 5 bis 6 Leuten, mit denen man dann zusammenarbeitet und sich connected und austauscht und einfach mal so schaut, was ist eigentlich Engagement? Welche Bereiche sind das? Ich glaube, das kann vielleicht für Menschen interessant sein, die bisher einfach noch nicht so in Berührung damit kamen oder noch nicht den Zugang dazu gefunden haben. Und das ist vielleicht auch spannend für den einen oder die andere Zuhörer*in.

00:32:28
Luisa von erzähl davon: Klingt total interessant, da kann man sich bestimmt über eure Website informieren.

00:32:32
Janine von Vostel: Genau da kann man sich über unsere Webseite informieren und dann da auch dafür anmelden. Und auch über diese Social Media Kanälen. Also auf Instagram unter @vostelvolunteering findet ihr dazu auch ein Posting und immer wieder Storys und Informationen.

00:32:47
Luisa von erzähl davon: Dann an alle da draußen hier noch mal der Tipp, da mitzumachen. Das klingt total spannend und auch spaßig und vielleicht ist es ja ein guter Startpunkt, um ein Engagement für sich zu finden. Dann danke ich dir ganz herzlich, Janine , für für das interessante Gespräch und ich wünsche euch weiterhin ganz viel Erfolg und ich bin sicher, wir werden noch viel von euch hören.

00:33:11
Janine von Vostel: Ich danke dir auch. Es war ein sehr schönes und nettes Gespräch und bin schon ganz gespannt die Folge zu hören und alle weiteren Folgen. Und ich wünsche euch auch ganz viel Erfolg.

00:33:21
Luisa von erzähl davon: Vielen Dank! Dann mach es ganz gut und bis bald, ciao!

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