Digital auf sich aufmerksam machen – ohne zu spammen

 

Es gibt Handlungsweisen in den sozialen Netzwerken, die wahrscheinlich nicht böse gemeint sind, aber ziemlich nervig und spammy ankommen können: Massen-Privatnachrichten mit Bitte um Shares oder Follows, kontextlos weitergeleitete Nachrichten, Tagging auf fremden Fotos, Bitte um „Freundschaftsdienste“ – ohne dass eine Freundschaft besteht.

Manche Menschen werden ein wenig übereifrig, wenn sie „die gute Botschaft“ verbreiten wollen. Also zum Beispiel ihre Petition, ihren Spendenaufruf oder ihre Erfolgsmeldung.

Ja, auch wir werden manchmal so ankommuniziert… Und wir sagen mal so: es gibt bessere Wege, mit uns in Kontakt zu treten! 😬  In dieser Folge geht es um diese Handlungen und was man stattdessen machen sollte.

Inhalt

00:25 Intro
01:15 Beispiele für digitalen Spam
06:32 Lösungswege

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Passende Podcastfolgen:

32: mehr social in Social Media

Transkript

Hi und willkommen zurück bei erzähl davon! Ich bin Katrin und nachdem wir die letzten beiden Folgen ja sehr ausführlich über ein sehr technisches Thema gesprochen haben, nämlich SEO, also Suchmaschinenoptimierung, dachte ich, ich bring heute mal ein ganz anderes Thema mit.

Und zwar kennen wir ja alle den Knigge oder zumindest den Begriff des Knigge. Was da alles drinsteht, das wissen wir vielleicht nicht. Aber das sind ja so Verhaltensregeln, wie man sich angemessen verhalten soll in Gesellschaft anderer Menschen und wie man sich richtig oder falsch verhält. Das gibt es natürlich auch im digitalen Raum. Und wenn man dagegen verstößt, dann ist es unhöflich, nervig. und spammy. Und in dieser Folge möchte ich auf ein paar Sachen hinweisen, die ja so sind, quasi die nervig sind, die spammy sind, die vielleicht nicht unbedingt böse gemeint sind oder die vor allem Einsteigerinnen und Einsteigern in die digitale Welt vielleicht passieren, weil sie vielleicht einfach diese Umgangsformen im Internet oder in den sozialen Netzwerken noch nicht so kennen.

Konkret sehe ich da verschiedene Sachen: Also das sehe ich im Sinne von bei unserem @erzaehldavon-Account passiert das. Wir sind da „Betroffene“, aber auch, dass ich es einfach woanders beobachte. Ja, vielleicht habe ich das eine oder andere früher auch selber schon mal gemacht und weiß mittlerweile, wie man es besser macht. Konkret ist es zum Beispiel so was wie: Leute fragen, ob sie etwas teilen von den eigenen Accounts oder ob sie dem eigenen Account folgen. Das sehe ich vor allem bei frisch angelegten Accounts von irgendwelchen Projekten oder Organisationen, die eben neu in den sozialen Netzwerken sind und jetzt natürlich neue Follower haben wollen. Und dann einfach Leute anschreiben und sagen „Hey, wir machen das und das, folg uns doch!“ Ja, das ist natürlich für komplett Fremde ein bisschen nervig, wenn man solche Anfragen bekommt von irgendwelchen random Leuten, die sagen „Hey, wir machen coole Sachen, folg uns“. Und dann fragt man sich natürlich „Okay, warum? Lohnt sich das überhaupt? Was macht ihr denn überhaupt?“ Und dann bringt ihr mich quasi in die Lage, dass ich jetzt erst mal Zeit und Energie investieren muss, um zu gucken, was ihr überhaupt macht und und zu entscheiden, ob das wirklich spannend ist oder nicht oder ob ihr das einfach so copy-paste-mäßig an 100 Leute geschickt habt und gar nicht wirklich geguckt hat, was wir denn machen und ob das, was wir machen und das, was ihr macht, ob es da eine Überschneidung gibt, weswegen man davon ausgehen könnte, dass es uns interessieren könnte. Das gleiche gilt bei Beiträgen, die man teilen soll, wenn es vielleicht irgendwie sowas wie eine Crowdfunding-Aktion gibt oder eine Petition, irgendwas. Dann schreibt man halt irgendwelche Leute an und sagt „Hey, bitte teilt das mit deinen Followern!“ Und auch hier gilt oft wird das dann einem nur so vor die Nase gesetzt und dann muss ich theoretisch wieder mich da reinlesen und eben entscheiden, ob das zu unseren Sachen passt, zu unseren Werten passt, zu unseren Themen passt oder nicht. Denn wir möchten ja wiederum unsere Follower nicht zuspammen mit irgendwelchen Sachen, was mit denen nix am Hut hat.

Eine andere Handlung ist, fremde Accounts und fremde Leute zu taggen, zum Beispiel auf Fotos oder in Beiträgen. Also diese Funktion zu taggen (markieren) gibt es ja eigentlich in jedem sozialen Netzwerk, meistens in dem man die @-Taste drückt und dann den Accountnamen oder den Namen der Person eingibt. Und damit wird die Person ja markiert. Also da kriegt man ja eine Benachrichtigung: „hier, So und so hat ein neues Foto gepostet und du wurdest da drauf markiert“ oder „So und so hat dich in einem Beitrag erwähnt“. Sprich, man macht das natürlich, damit eben diese Benachrichtigungen kommen. Wenn jemand uns markiert, unseren erzähl davon Account markiert, möchte die Person in der Regel, dass wir das dann mitbekommen. Und auch hier gilt wieder: Natürlich möchte sie, dass wir damit irgendwas machen, dass wir es liken oder dass wir es teilen oder kommentieren. Diese Tagging-Funktion macht natürlich Sinn, wenn zum Beispiel wir bei einer Veranstaltung sind und jemand hat ein Foto macht, wo Luise und ich auf der Bühne stehen, dann ist das natürlich total nett, dass die Person ein Foto macht und uns taggt, damit wir das wissen. Oder wenn man vielleicht bei einer gemeinsamen Aktion dabei ist oder so was, dann ist es vollkommen legitim. Wir werden aber auch oft in Beiträgen getaggt, wo wir überhaupt nichts mit am Hut haben, sondern das ist quasi wieder eine Art und Weise uns zu benachrichtigen. So, „hey, hier gibt es irgendwas und wir wollen was von euch.“ Also ähnlich wie dieser erste Punkt, dass man eine Nachricht bekommt und zum Beispiel nach einem Follow gefragt wird oder gebeten wird, irgendetwas zu teilen.

Und die dritte Sache, die ich manchmal sehe, ist, dass man nach etwas gefragt wird, nach einer Leistung gefragt wird, die eigentlich entweder kostenpflichtig ist oder eben eine Leistung, die so groß ist, dass man das nicht mal eben für irgendwelche Leute macht, die halt mal ne Nachricht schreiben. Zum Beispiel, dass man ein Webinar hält, wofür wir eigentlich Honorar nehmen. Und irgendjemand schreibt uns dann einfach so „Hey, macht ihr das für uns for free?“ Und fragt man sich „Warum sollten wir das für euch for free machen?“

Diese verschiedenen Sachen sind, würde ich behaupten, meistens nicht mit böser Absicht, sondern oft, weil man vielleicht ja so ein bisschen nicht merkt, dass es irgendwie nervig ist oder dass es dreist ist oder dass es spammy ist, sondern man hat eben einen guten Hintergedanken, zum Beispiel zu sagen „Wir haben hier diese Petition, um möglichst viele Leute sollen die unterschreiben“ oder „Wir haben eine tolle Aktion und hier sind noch Plätze frei, deswegen wollen wir, dass das geteilt wird und dass diese Plätze belegt sind.“ Oder „Wir sind stolz auf unseren Erfolg und wir wollen, dass andere das sehen. Deswegen wollen wir, dass andere das teilen.“ Meistens stecken da gute Hintergedanken hinter. Aber oft ist es einfach nervig für die Rezipientinnen und Rezipienten. Und das kann dann im schlimmsten Fall dann natürlich auch die Reputation beschädigen. Wenn man dann einen schlechten Eindruck hat von der Organisation, von dem Account, wenn man das Gefühl hat, man wird von denen immer nur so zugespammt oder die fragen uns dauernd und die wollen dauernd irgendwas von uns und das ist irgendwie nicht so ein Geben und Nehmen. Plus wenn wir jetzt schon von den sozialen Netzwerken sprechen, das kann natürlich auch von den Algorithmen so interpretiert werden, wenn zum Beispiel ihr ganz vielen Leuten schreibt und die die Nachricht alle ignorieren oder löschen oder wenn ihr Leute taggt auf euren Bildern und die diesen Tag dann wieder entfernen, dann kann es eben auch passieren, dass die sozialen Netzwerke daraus ableiten, dass ihr andere Leute vollspammt oder vielleicht werdet ihr sogar gemeldet von anderen Leuten. Und dann könnte im schlimmsten Fall euer Account gesperrt werden oder eben stark an Reichweite verlieren.

Und jetzt ist die Frage: „Okay, darf ich nie wieder jemanden fragen, ob er bitte meine Aktion teilen kann? Oder darf ich nie wieder jemanden bitten, meinem neuen Account zu folgen?“ Nein, das meine ich so nicht, sondern man sollte es mit Bedacht machen und unter bestimmten Rahmenbedingungen. Und zu den Lösungen zählt erstens der Beziehungsaufbau. Denn wenn uns eine befreundete Organisation fragt.. Also wir von erzähl davon. Wir sind befreundet mit Youvo und mit Vostl und mit der World Citizen School. Und wenn bei denen irgendwas los ist und die uns fragen, ob wir das teilen, dann machen wir das natürlich, weil wir befreundet sind und weil wir im Gegenzug wissen, wenn wir mal etwas brauchen, dann werden die uns auch helfen. Und dieser Beziehungsaufbau ist eben nicht innerhalb von ein, zwei Nachrichten getan, sondern das ist was, da muss man halt ein bisschen länger dran arbeiten. Sprich wenn ihr wisst, dass ihr in einem halben Jahr irgendeine Aktion habt, wo ihr eine große Reichweite schaffen müsst, dann solltet ihr jetzt anfangen, die Beziehungen aufzubauen. Dass da eben wirklich echte Beziehungen sind, dass ihr die Leute kennt, dass ihr seht, wo ihr Gemeinsamkeiten habt und so weiter. Und dann, wenn die Beziehungen stark sind, werden diese Organisationen, mit denen euch vernetzen wollt, euch bestimmt helfen.

Der zweite Aspekt ist, dass es irgendeine Art von Gegenleistung geben muss. Also ich habe vorhin schon gesagt, es muss irgendwie so ein Geben und Nehmen da sein. Es muss so eine Win-Win-Situation erstellen und damit meine ich nicht Geld. Um Gottes Willen. Ich möchte nicht, dass irgendwelche Leute uns schreiben „Hey, könnt ihr unseren Beitrag teilen? Wir zahlen euch auch 5 Euro über Paypal!“ Das ist absolut nicht die Intention, sondern es muss halt irgendwie auch etwas für uns mit dabei sein. Und da kann man sich eben fragen: „Okay – was wollen denn die Leute, deren Hilfe wir gerade wollen? Wie können wir denen denn was Gutes tun?“ Das kann einfach nur sein, dass man dann im Gegenzug was von uns teilt. Oder zum Beispiel: Wir haben ja diesen Podcast. Und da suchen wir immer wieder nach spannenden Interviewpartnerinnen und -partnern. Und wenn ihr da zum Beispiel eine coole Case Study habt und sagt „Hey, wir haben hier was Cooles, wenn ihr möchtet, können wir in eurem Podcast kommen und davon erzählen.“ Dann freuen wir uns natürlich. Und wenn ihr dann im Gegenzug sagt „Hey, wir haben eine nächste Crowdfunding-Aktion, könnt ihr das teilen?“ dann werden wir dann natürlich eher bereit zu sein, als wenn wir uns noch gar nicht kennen, noch nie was miteinander gemacht haben und wir eben nicht das Gefühl haben, wir können uns revanchieren, weil ihr uns vorher einen Gefallen getan habt.

Und die dritte Lösung ist, und die ist sogar ein bisschen kurzfristiger, weil ihr jetzt vielleicht da sitzt und sagt „Ja, Beziehungsaufbau. Ich habe jetzt aber kein halbes Jahr Zeit, um irgendwelche Freundschaften zu schließen?!“ Der dritte Punkt ist zu sagen Okay, ich schicke hier nicht einfach nur irgendwie eine kurze Nachricht oder ich hänge nur einfach nur irgendwelche Leute. Oder manchmal kriegen wir auch Beiträge weitergeleitet. Einfach komplett kontextlos schickt uns das einfach jemand und sonst nichts. Und dieser Kontext ist eigentlich total wichtig und deswegen ist die dritte Möglichkeit, dass ihr den Kontext liefert oder dass er Argumente mit schickt. Oder dass ihr uns überzeugt. Also dass ihr uns nicht einfach nur uns auf einem Beitrag verlinkt oder uns den einfach nur schickt, sondern dazu sagt „Hey, wir haben hier diesen Beitrag und wir denken, dass das für eure Community interessant ist, weil blablabla. Und wir würden uns freuen, wenn ihr den teilt bla bla bla“ – uns einfach mehr Kontext dazu gebt, sodass wir eigentlich dann im besten Fall nur noch sagen können“Ja, stimmt, das klingt gut. Alles klar, das teilen wir!“ oder „Okay, normalerweise nehmen wir Honorar für unsere Webinare, aber wir sehen, dass das eine coole Aktion ist, die wir planen und ihr echt kein Budget habt. Okay, alles klar. Dann machen wir halt irgendwie in einem kleinen Rahmen (pro bono) mit.“ Also macht es uns einfach, ja zu sagen, indem ihr quasi uns die ja auch die Recherchearbeit so ein bisschen abnehmen. Ich hab ja vorhin schon gesagt, wenn mir jemand einfach kontextlos was schickt, dann muss ich mir das quasi angucken und erst mal gucken, was das ist und wie das funktioniert und so weiter. Macht das einfach für mich einfacher!. Und das kann eben in den sozialen Netzwerken passieren. Das kann aber auch mal auf einem anderen Weg passieren. Zum Beispiel per E-Mail, in dem man per E-Mail schreibt und sagt „Hey, wir haben da demnächst diese Aktion, wir haben noch freie Plätze und wir glauben, dass es für eure Community spannend sein könnte. Wir würden uns total freuen, wenn ihr das teilt. Da- und darum geht es. Vielleicht so ein kleines Fact Sheet, vielleicht eine schöne Grafik. Im besten Fall vielleicht sogar eine Grafik, die auf unser Corporate Design schon angepasst ist, so dass wir nicht noch die Arbeit haben, dann zum Beispiel eine neue Grafik zu erstellen, die in unseren Instagram passt oder sowas. Also denkt da einfach mit, wie ihr es den Leuten einfach machen können, dass sie ja sagen und dass sie auch wirklich diesen Kontext haben und nicht einfach nur irgendwas geschickt bekommen oder einfach nur „Hey, folg uns mal, wir machen coole Sachen“.

Ich hoffe, es fühlt sich jetzt niemand allzu sehr auf den Schlips getreten, wenn ihr euch ein ganz kleines bisschen auf den Schlips getreten fühlt und denkt „Ach Scheiße, das haben wir ja gemacht in der Vergangenheit.“ Dann probiert, es in Zukunft nicht mehr zu machen. Versucht lieber auf Beziehungen zu setzen in den sozialen Netzwerken und weniger auf „Ach, ich schicke es mal 100 Leuten und wenn zwei, drei davon drauf eingehen, dann habe ich schon gewonnen.“ Das ist nicht so eine soziale Sache, wie sie in den sozialen Netzwerken passieren sollte.

Das war es mit einem kleinen Impuls für heute. Wir hören uns in zwei Wochen wieder.

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