Storytelling: 3 Methoden, um Geschichten im Ehrenamt zu finden

Ja, ja, dass Storytelling wichtig ist, das wissen wir alle. Aber wie finden wir konkrete Geschichten, die wir erzählen können? Diese Folge stellt drei verschiedene Methoden vor, um die Storys eures Engagements zu identifizieren und für die Öffentlichkeitsarbeit (z.B. Mitgliedergewinnung) nutzen zu können.


Wenn es um Öffentlichkeitsarbeit im Ehrenamt geht, denken viele zuerst an Termine, Zahlen, Fakten und Ankündigungen. Sommerfest am Samstag. Noch fünf Plätze frei. Wir suchen Spenden. Wir haben 30 neue Mitglieder.

Alles wichtige Informationen – aber nicht unbedingt Dinge, die lange im Kopf bleiben.

Geschichten können das ändern. Sie machen sichtbar, wer ihr seid, warum ihr euch engagiert und was bei euch möglich wird. Sie helfen Menschen dabei, sich mit eurer Organisation zu identifizieren: als potenzielle Unterstützer*innen, neue Freiwillige, Spender*innen oder als Menschen, die euer Angebot nutzen könnten.

Und das Beste: Ihr müsst nicht auf den nächsten spektakulären Moment warten. Viele gute Geschichten liegen vermutlich schon in eurer Vergangenheit.

Key Takeaways

  • Auch ältere Erlebnisse eignen sich für Beiträge, wenn ihre Botschaft heute noch relevant ist.
  • Gründungs- und persönliche Geschichten machen Werte, Wirkung und Gemeinschaft konkret erlebbar.
  • Engagement-Motive helfen euch, passende Anekdoten für neue Freiwillige und Unterstützer*innen zu finden.
  • Jede Geschichte braucht eine klare Botschaft und eine konkrete Handlungsaufforderung.

Inhaltsverzeichnis

Eine Geschichte muss nicht brandneu sein

Ein Gedanke taucht in Workshops immer wieder auf:

„Das wäre eigentlich ein toller Post gewesen. Schade, das ist jetzt schon vorbei.“

Nein: Schade ist es nicht. Zumindest nicht automatisch.

Digitale Öffentlichkeitsarbeit funktioniert nicht wie eine Tageszeitung, in der nur das relevant ist, was gestern passiert ist. Natürlich können aktuelle Ereignisse ein guter Anlass für einen Beitrag sein. Aber eine Geschichte verliert ihren Wert nicht, nur weil sie ein paar Wochen, Monate oder Jahre zurückliegt.

Entscheidend ist nicht das Datum, sondern der Kern der Geschichte.

Nehmen wir an, Nachhaltigkeit ist euch wichtig. Bei eurem Sommerfest habt ihr deshalb auf Einwegteller und Einwegbesteck verzichtet. Stattdessen haben viele Menschen aus dem Verein Teller ausgeliehen. Am Ende stand ein wunderbar chaotisches, buntes Sammelsurium auf den Tischen – und sah fast wie Dekoration aus.

Ob dieses Sommerfest vor zwei Wochen oder vor zwei Jahren stattgefunden hat, ist dabei ziemlich egal. Die eigentliche Geschichte lautet:

Wir handeln nach unseren Werten – und manchmal entstehen daraus sogar schöne Dinge, mit denen wir vorher nicht gerechnet haben.

Schaut also nicht nur auf das, was gerade passiert. Kramt ruhig in Erinnerungen, alten Fotos, Protokollen und Gesprächen. Gerade Erfahrungen, die ein bisschen gereift sind, können eine besonders klare Erkenntnis enthalten.

Warum Geschichten für eure Öffentlichkeitsarbeit so gut funktionieren

Zahlen, Daten und Fakten haben ihren Platz. Sie zeigen zum Beispiel, wie viele Menschen ihr erreicht habt, welche Summe ihr gesammelt habt oder wie groß ein Problem ist.

Aber Zahlen allein erzeugen nicht unbedingt Nähe.

Eine Geschichte bleibt leichter im Kopf, weil sie einen Einstieg, eine Entwicklung und idealerweise eine Auflösung hat. Menschen wollen wissen: Was ist passiert? Gab es ein Problem? Konnte jemand helfen? Wie ging es aus?

Dadurch wird eure Kommunikation nicht nur leichter zu lesen, sondern auch leichter weiterzuerzählen.

Außerdem bieten Geschichten Identifikationspotenzial. Je nach Thema können sich ganz unterschiedliche Menschen darin wiederfinden:

  • Potenzielle Freiwillige können sich vorstellen, selbst Teil eurer Gruppe zu werden.
  • Unterstützer*innen verstehen besser, welche Wirkung ihre Spende oder Hilfe haben kann.
  • Menschen aus eurer Zielgruppe erkennen, dass euer Angebot auch für sie gedacht ist.

Wenn ihr euch zum Beispiel bei einer Tafel engagiert, können Geschichten Hemmschwellen abbauen. Manche Menschen fragen sich vielleicht, ob sie ein solches Angebot wirklich nutzen dürfen oder ob andere es nötiger hätten. Eine einfühlsame Geschichte über Menschen, die Unterstützung annehmen, kann vermitteln: Du bist hier richtig. Du nimmst niemandem etwas weg. Hilfe anzunehmen ist okay.

Ihr könnt Geschichten auf Social Media erzählen, aber auch auf eurer Website: auf der Über-uns-Seite, im Blog, bei einer konkreten Mitmachmöglichkeit oder als Fallbeispiel neben einem Spendenaufruf.

Und bitte entscheidet nicht zu früh, dass eine Idee „zu lang für Instagram“ oder „zu klein für einen Blogartikel“ sei. Findet erst die Geschichte. Das passende Format könnt ihr danach auswählen.

Methode 1: Erzählt eure Gründungsgeschichte

Der erste Ort, an dem ihr nach Geschichten suchen könnt, ist eure eigene Organisationsgeschichte.

Warum gibt es euren Verein, eure Initiative oder eure Gruppe überhaupt? Was war der Auslöser? Gab es einen konkreten Moment, ein Problem, eine Begegnung oder eine Erfahrung, aus der alles entstanden ist?

Diese Fragen können euch helfen:

  • Was bewegt eure Organisation?
  • Was war der Anlass für die Gründung?
  • Wer hat angefangen – und warum?
  • Welche Ziele und Visionen hattet ihr am Anfang?
  • Wie haben sich diese Ziele im Lauf der Zeit verändert?
  • Wen möchtet ihr erreichen?
  • Welche Meilensteine habt ihr bereits geschafft?

Vielleicht verfolgt ihr noch immer genau dasselbe Ziel wie bei der Gründung. Vielleicht haben sich aber die Rahmenbedingungen verändert und ihr habt eure Arbeit weiterentwickelt. Vielleicht habt ihr sogar ein ursprüngliches Ziel erreicht – und euch deshalb ein neues gesetzt.

Auch ältere Erfolge dürfen dabei vorkommen. Erzählt nicht einfach nur: „2018 haben wir den XY-Preis gewonnen.“ Erzählt lieber, was hinter diesem Erfolg stand. Welches Hindernis musstet ihr überwinden? Was war schwierig? Wer hat mit angepackt? Was hat euch dieser Moment gezeigt?

Positioniert euch für etwas – oder gegen etwas

Eine hilfreiche Übung für eure Gründungsgeschichte ist diese Frage:

Setzen wir uns für etwas ein oder kämpfen wir gegen etwas an?

Viele Organisationen beschreiben ihre Arbeit sehr neutral. Zum Beispiel:

„Wir sind ein Nachbarschaftsverein und bieten Nachhilfe an.“

Das ist korrekt. Aber es sagt noch nicht besonders viel darüber aus, warum eure Arbeit wichtig ist.

Stärker wäre etwa:

„Wir bekämpfen Bildungsungerechtigkeit direkt in unserem Viertel – mit kostenloser Nachhilfe.“

Die Nachhilfe ist noch immer Teil des Satzes. Aber jetzt gibt es ein Problem, einen Konflikt und eine Haltung. Menschen, die dieses Problem ebenfalls sehen, verstehen sofort, wofür ihr steht.

Ihr könnt eure Arbeit auch positiv formulieren:

  • Wir fördern Teilhabe.
  • Wir ermöglichen Begegnung.
  • Wir unterstützen junge Menschen beim Ankommen.
  • Wir stärken Nachbarschaft und Zusammenhalt.

Probiert aus, welches Verb zu euch passt. Statt nur zu sagen, dass ihr etwas „macht“, könnt ihr klarer beschreiben, welche Veränderung ihr erreichen wollt.

Methode 2: Sammelt persönliche Geschichten aus dem Engagement

Organisationen bestehen nicht aus Logos, Satzungen und Veranstaltungskalendern. Sie bestehen aus Menschen.

Die persönlichen Geschichten von Engagierten zeigen, wie Ehrenamt im echten Leben aussieht: mit schönen Momenten, Zweifeln, Entwicklung, Gemeinschaft und manchmal auch Frust.

Nehmt euch ein Notizbuch, einen Zettel oder euer Handy und beantwortet mindestens eine der folgenden Fragen. Gebt euch ruhig fünf Minuten Zeit und schreibt erst einmal alles auf, was euch einfällt.

1. Was ist euer persönliches Warum?

Warum engagiert ihr euch überhaupt? Was ist euch daran wichtig?

Vielleicht möchtet ihr etwas Sinnvolles tun. Vielleicht wollt ihr ein Problem nicht einfach hinnehmen. Vielleicht habt ihr selbst einmal Unterstützung erfahren und möchtet nun etwas zurückgeben.

Euer persönliches Warum kann ein guter Ausgangspunkt für eine Geschichte sein – besonders dann, wenn es sich mit den Werten eurer Organisation verbindet.

2. Warum genau diese Organisation?

In fast jeder Stadt gibt es viele Möglichkeiten, sich zu engagieren. Warum seid ihr ausgerechnet hier gelandet?

Vielleicht gab es ein besonders herzliches Kennenlernen. Vielleicht hat euch die Mission überzeugt. Vielleicht wart ihr bei einem ersten Treffen und hattet sofort das Gefühl: Hier bin ich richtig.

Auch dieser Entscheidungs-Moment kann eine starke Geschichte sein. Denn er hilft anderen Menschen, sich vorzustellen, wie ihr eigener Einstieg aussehen könnte.

3. Was war euer schönster Moment?

Das kann ein großer Moment sein: ein Preis auf einer Bühne, ein erfolgreich abgeschlossenes Projekt oder ein besonderer Meilenstein.

Aber oft sind es die kleinen Situationen, die besonders gut funktionieren. Ein Gespräch. Ein Dankeschön. Ein Moment, in dem ihr gemerkt habt, dass ihr etwas gelernt habt oder über euch hinausgewachsen seid.

Fragt euch: Wann habt ihr euch in eurem Engagement besonders wohl, stolz oder verbunden gefühlt?

4. Was hat euch das Ehrenamt außerhalb des Ehrenamts gebracht?

Engagement beeinflusst oft auch andere Lebensbereiche. Vielleicht habt ihr gelernt, Meetings zu moderieren, Veranstaltungen zu organisieren oder vor Gruppen zu sprechen.

Vielleicht wart ihr früher vor einem beruflichen Meeting sehr nervös – und merkt heute, dass euch das Leiten einer Runde leichter fällt, weil ihr es im Ehrenamt längst geübt habt.

Es müssen nicht immer formale Qualifikationen sein. Auch Soft Skills, Selbstvertrauen, neue Perspektiven oder zwischenmenschliche Erfahrungen können Teil dieser Geschichte sein.

5. Wann wolltet ihr alles hinschmeißen – und warum habt ihr es nicht getan?

Das ist vermutlich nicht die Geschichte für jede Gelegenheit. Aber ehrlich erzählte Herausforderungen können sehr glaubwürdig sein.

Gab es einen Moment, in dem ihr dachtet: Warum mache ich das eigentlich? Wäre das Sofa nicht gerade die bessere Idee?

Und was hat euch dann gehalten? Ein Teammitglied? Ein Erfolgserlebnis? Die Menschen, für die ihr euch einsetzt? Die Erkenntnis, dass Schwierigkeiten dazugehören, aber eure Arbeit trotzdem etwas bewegt?

Solche Geschichten müssen nicht dramatisch ausgeschmückt werden. Sie dürfen zeigen, dass Engagement nicht immer leicht ist – und gerade deshalb wertvoll sein kann.

Bonus: Fragt Menschen, die euch gut kennen

Wenn euch selbst gerade keine Geschichte einfällt, fragt Menschen in eurem Umfeld.

Vielleicht erzählt ihr einer Freundin, eurem Partner, eurer Partnerin oder euren Kindern regelmäßig von eurem Engagement. Diese Menschen erinnern sich möglicherweise an Situationen, die ihr längst vergessen habt.

Fragt zum Beispiel:

  • Wovon habe ich aus meinem Engagement besonders oft erzählt?
  • Wann kam ich einmal besonders glücklich nach Hause?
  • Wann war ich besonders frustriert – und was war da los?
  • Welche Geschichte über mein Ehrenamt ist dir im Gedächtnis geblieben?

Manchmal braucht es einfach einen Blick von außen, um die eigene Geschichte wiederzusehen.

Methode 3: Erzählt Geschichten, die Engagement-Motive sichtbar machen

Wenn ihr neue Mitglieder oder Freiwillige gewinnen möchtet, solltet ihr nicht nur fragen:

„Wen suchen wir?“

Fragt euch auch:

„Was suchen Menschen, die sich engagieren möchten?“

Menschen engagieren sich aus unterschiedlichen Motiven. Manche wollen Sinn erleben, andere neue Kontakte finden. Einige möchten Verantwortung übernehmen, andere suchen bewusst einen Ausgleich zu ihrem Alltag.

Keine Organisation muss alle Motive gleichermaßen bedienen. Im Gegenteil: Es ist hilfreich, ehrlich zu erkennen, wofür euer Engagement besonders gut geeignet ist.

Vielleicht ist eine Aufgabe eher eintönig, etwa das Reinigen von Katzenklos im Tierheim. Dafür gibt es ein großartiges Team, viel Zusammenhalt und eine Menge Spaß. Eine andere Aufgabe bringt viel Verantwortung mit sich, bietet dafür aber enorme Lernmöglichkeiten und Gestaltungsspielraum.

Behauptet also nicht einfach: „Bei uns ist es toll.“ Findet konkrete Anekdoten, die zeigen, warum es bei euch für bestimmte Menschen toll sein könnte.

Die 10 Motive für Engagement

1. Etwas Sinnvolles tun

Manche Menschen möchten ihre Zeit sinnvoll einsetzen und das Gefühl haben, gebraucht zu werden. Das kann besonders in Übergangsphasen wichtig sein: nach dem Renteneintritt, zwischen zwei Jobs oder zwischen Schule und Studium.

Fragt euch: Wo erleben Menschen bei euch, dass ihr Einsatz einen Sinn hat?

2. Etwas bewegen und Selbstwirksamkeit erleben

Große gesellschaftliche Probleme können überfordernd wirken. Engagement kann das Gefühl geben: Ich kann vielleicht nicht alles lösen, aber ich kann im Kleinen etwas beitragen.

Geschichten zu diesem Motiv zeigen, wie ein einzelner Beitrag Teil einer größeren Veränderung wird. Nicht tatenlos zusehen, sondern gemeinsam handeln.

3. Abwechslung vom Alltag finden

Für manche Menschen ist ein Ehrenamt ein Gegenpol zum Beruf oder Alltag.

Wer beruflich viel Verantwortung trägt, sucht vielleicht eine Aufgabe, bei der diese Verantwortung nicht wieder auf den eigenen Schultern liegt. Wer den ganzen Tag mit Tabellen, Technik oder Bildschirmarbeit verbringt, möchte abends vielleicht lieber mit Menschen zusammen sein.

Umgekehrt kann jemand, der beruflich permanent kommuniziert, gerade eine ruhige Aufgabe schätzen.

Eine passende Geschichte könnte von einer Person handeln, die beruflich in der IT arbeitet und im Verein bewusst keine IT-Aufgaben übernehmen möchte – sondern lieber direkt mit Jugendlichen oder anderen Menschen arbeitet.

4. Fähigkeiten und Talente entdecken oder entwickeln

Engagement kann ein geschützter Raum sein, um Dinge auszuprobieren.

Für jüngere Menschen geht es vielleicht darum, ein Talent überhaupt erst zu entdecken: Was liegt mir? Was macht mir Spaß? Was kann ich lernen?

Menschen mit mehr Berufs- und Lebenserfahrung möchten dagegen vielleicht vorhandene Kompetenzen sinnvoll einsetzen. Wer seit Jahren Projektmanagement macht, kann beispielsweise bei der Organisation eines Sommerfests viel Sicherheit und Erfahrung einbringen.

Erzählt konkrete Entwicklungsgeschichten: Jemand wollte etwas ausprobieren, bekam die Chance dazu, stellte fest, dass es gut passt – und übernimmt heute vielleicht eine neue Rolle.

5. Verantwortung übernehmen und etwas zurückgeben

Manche Menschen engagieren sich, weil sie selbst von einer Gemeinschaft profitiert haben.

Vielleicht war jemand als Kind bei den Pfadfinder*innen, hatte dort eine gute Zeit und möchte nun selbst Gruppen leiten. Vielleicht gehört die Feuerwehr seit Generationen zur Familie. Vielleicht möchte jemand eine Tradition fortführen oder anderen ermöglichen, was die Person selbst einmal bekommen hat.

Aber auch ein später Einstieg kann spannend sein: Wie kommt jemand als Erwachsene*r zu den Pfadfinder*innen, obwohl diese Person vorher keinerlei Berührung damit hatte?

6. Neue Herausforderungen suchen

Dieses Motiv ähnelt dem Wunsch, neue Fähigkeiten zu entwickeln. Hier geht es aber stärker darum, etwas Neues zu erleben, ein Problem zu lösen oder Verantwortung in einem neuen Bereich auszuprobieren.

Überlegt: Wo gibt es bei euch Gestaltungsspielraum? Wo müssen Menschen nicht einfach nur eine feste Checkliste abarbeiten, sondern dürfen Ideen einbringen und Dinge anders machen?

7. Kontakte knüpfen

Manche Menschen suchen vor allem Gemeinschaft. Sie möchten neue Leute kennenlernen, Freundschaften entwickeln oder ihr berufliches Netzwerk erweitern.

Das kann besonders relevant sein für Menschen, die neu in eine Stadt gezogen sind oder sich beruflich verändert haben und ihre Kolleg*innen nicht mehr täglich sehen.

Wenn das zu euch passt, zeigt, wie ihr neue Menschen willkommen heißt. Erzählt von Teamaktionen, gemeinsamen Pausen, ersten Begegnungen oder Situationen, in denen aus einem neuen Gesicht ein fester Teil der Gruppe wurde.

Wichtig ist die Botschaft: Ihr seid kein geschlossener Kreis, in dem sich alle seit 20 Jahren kennen. Neue Menschen können bei euch wirklich dazugehören.

8. Über den Tellerrand blicken

Engagement kann Menschen aus der eigenen Bubble holen. Man trifft Menschen mit anderen Erfahrungen, Lebensrealitäten und Perspektiven.

Hier geht es auch um Diversität: Wer kommt bei euch zusammen? Welche unterschiedlichen Hintergründe, Berufe, Altersgruppen oder Lebenswege begegnen sich? Und wie arbeitet ihr trotz – oder gerade wegen – dieser Unterschiede zusammen?

9. Eigene Werte leben

Viele Menschen suchen eine Gruppe, in der sie ihre Werte aktiv leben können. Vielleicht möchten sie sich für eine bestimmte Sache einsetzen. Vielleicht wünschen sie sich aber auch einfach Menschen um sich, die ähnlich auf die Welt schauen.

Das kann ein wichtiger Ausgleich sein, wenn jemand im Studium, im Beruf oder im Alltag oft das Gefühl hat, mit den eigenen Überzeugungen allein zu sein.

Geschichten über gemeinsame Werte zeigen nicht nur, was ihr tut. Sie zeigen auch, wie ihr miteinander umgeht und wofür ihr stehen möchtet.

10. Spaß haben

Ja, auch das ist ein völlig legitimes Motiv.

Menschen engagieren sich, weil sie gemeinsam etwas Schönes erleben, anpacken, feiern, Teamgeist spüren oder kleine Abenteuer erleben möchten. Es muss nicht immer ausschließlich um die große Mission gehen.

Wenn ihr zusammen Spaß habt, dann zeigt ihn auch. Nicht als leere Behauptung wie „Wir sind ein lustiges Team“, sondern mit einer Situation, die diesen Spaß sichtbar macht.

Aus Motiven werden Geschichten

Die zehn Motive sind keine Checkliste, auf der ihr überall einen Haken setzen müsst.

Sie sollen euch helfen, genauer hinzusehen:

  • Welche Motive erfüllt ein Engagement bei uns besonders gut?
  • Welche Menschen könnten genau das suchen?
  • Welche echte Geschichte beweist, dass das bei uns möglich ist?

Statt zu schreiben:

„Bei uns kannst du deine Talente entdecken.“

erzählt lieber von Lisa, die eine Aufgabe ausprobieren wollte, dabei ein unerwartetes Talent entdeckt hat und heute genau diesen Bereich im Verein mitgestaltet.

Die Geschichte macht das Versprechen glaubwürdiger. Sie zeigt nicht nur, was bei euch theoretisch möglich wäre, sondern was bereits passiert ist.

Und wenn ihr nicht nach neuen Freiwilligen sucht, könnt ihr denselben Perspektivwechsel auch für andere Ziele nutzen. Was motiviert Menschen dazu, Geld zu spenden, Sachspenden bereitzustellen oder euch auf andere Weise zu unterstützen? Welche Geschichte könnte diese Motivation aufgreifen?

So erzählt ihr eure Geschichte verständlich und wirksam

Wenn ihr eine gute Geschichte gefunden habt, müsst ihr nicht alles hineinpacken, was ihr über eure Organisation sagen möchtet.

Im Gegenteil: Eine Geschichte wird meistens besser, wenn sie einen klaren Fokus hat.

1. Entscheidet euch für eine Botschaft

Was ist der wichtigste Punkt, den Menschen aus eurer Geschichte mitnehmen sollen?

Versucht nicht, gleichzeitig eure Geschichte, eure Werte, eure Angebote, eure Teamkultur und euren Spendenbedarf zu erklären. Macht im Zweifel lieber mehrere Beiträge daraus.

Eine Geschichte, eine Erkenntnis, ein nächster Schritt.

2. Erzählt es so, als würdet ihr es eurer Tante erklären

Stellt euch vor, eure Tante kennt euren Arbeitsbereich nicht. Sie weiß nicht, wofür eure Abkürzungen stehen, wie interne Abläufe funktionieren oder welche Fachbegriffe bei euch selbstverständlich sind.

Genau so solltet ihr eure Geschichte erzählen.

Fachsprache und Abkürzungen können Menschen von außen schnell verlieren. Es ist wichtiger, dass die zentrale Botschaft verständlich bleibt, als dass jeder Begriff hundertprozentig fachlich präzise klingt.

Oder anders gesagt: Lieber klar als clever.

3. Formuliert die Erkenntnis ruhig ausdrücklich

Manchmal ist die Moral einer Geschichte offensichtlich. Oft hilft es trotzdem, sie am Ende noch einmal zu benennen.

Zum Beispiel:

  • „Diese Geschichte zeigt, dass man bei uns neue Aufgaben in einem geschützten Rahmen ausprobieren kann.“
  • „Daran merken wir immer wieder, wie viel ein gutes Team ausmacht.“
  • „Genau deshalb ist nachhaltiges Handeln für uns mehr als ein schönes Schlagwort.“

Das muss nicht besonders poetisch sein. Es soll vor allem verständlich machen, worum es geht.

4. Verbindet die Geschichte mit einem Call to Action

Ein Call to Action ist eine konkrete Handlungsaufforderung. Er sagt Menschen, was sie als Nächstes tun können.

Wenn eure Geschichte berührt, inspiriert oder überzeugt hat, dann lasst die Menschen nicht mit einem vagen Gefühl zurück. Gebt ihnen eine Möglichkeit, aktiv zu werden.

Je nach Ziel kann das zum Beispiel sein:

  • Melde dich für unser nächstes Kennenlernen an.
  • Komm zu unserem Infoabend.
  • Schreib uns, wenn du einmal reinschnuppern möchtest.
  • Spende, damit wir noch mehr Nachhilfestunden ermöglichen können.
  • Teile diese Geschichte mit jemandem, für den unser Angebot hilfreich sein könnte.

Seid dabei konkret. Wenn ihr 50 Euro braucht, um eine zusätzliche Nachhilfestunde oder einen bestimmten Teil eurer Arbeit möglich zu machen, dann könnt ihr das auch so sagen.

Die besten Geschichten sind wahrscheinlich schon da

Ihr braucht nicht jeden Tag etwas Außergewöhnliches zu erleben, um gute Öffentlichkeitsarbeit zu machen.

Schaut auf eure Gründungsgeschichte. Fragt Menschen nach ihren persönlichen Momenten. Denkt über die Motive nach, aus denen sich Menschen bei euch engagieren könnten.

Und dann erzählt nicht nur, dass ihr Nachhilfe anbietet, Tiere versorgt, Veranstaltungen organisiert oder Menschen begleitet.

Erzählt, warum ihr es tut. Was dabei passiert. Wer dadurch wächst. Was schwierig war. Was gelungen ist. Und wie andere Menschen Teil davon werden können.

Denn genau darin liegt die Kraft von Geschichten: Sie machen aus Informationen eine Verbindung.

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